Die Zukunft des Internets
Horst Sievert hat uns in seinem Blog Karneval die Aufgabe gestellt, uns Gedanken über die Zukunft des Internets zu machen und wie diese wohl aussehen könnte.
Gerade habe ich die Filme über die Entwicklung und die Erfinder des Internets gesehen und finde es immer noch höchst erstaunlich und wahnsinnig spannend, was da vor allem in den letzten 20 Jahren vor sich gegangen ist.
1975 wurde ich in einer Fortbildung das erste Mal mit der Computertechnik konfrontiert. Alles nur graue Theorie - ohne einen Bezug zur Praxis. Der Dozent kannte die ganze Geschichte wohl auch nur aus Büchern...in den Pausen referierte er eher über sein Hobby die Jagd, als unsere Fragen zu beantworten. Erste Berührung hatte ich in den 70er Jahren mit Computertechnik in einem Großhandelsunternehmen, das bundesweit Niederlassungen unterhielt und alle Daten per Datenleitung an den Hauptkonzern in Berlin übertrug. Oft genug funktionierte dies nur unzureichend und verursachte den Mitarbeitern zusätzliche Arbeit. Immerhin war man schon in der Lage, die Lagerbestände automatisiert zu erfassen und abzugleichen und Rechnungen über den Warenverkauf zu schreiben. Alle diese Programme mußten auf den Betrieb zugeschnitten programmiert werden, wie auch im Unternehmen in dem ich danach tätig. Hier mußte die Kalkulation für bearbeitete Graugussstücke exakt berechnet werden, damit die Angebote für Kunden erstellt werden konnten. 60.0000 DM kostete damals ein Nixdorf-Server mit entsprechender Individual-Software. Speicherkapazität: 60 GB!
Die Vervollständigung der Software ging mit vielen Problemen einher, scheiterte dann eine Weile daran, dass der damit betraute Programmierer die Firma verließ...;-((
Anfang der 90er Jahre arbeitete ich in einem mittelständischen Industrieunternehmen. Hier gab es lediglich in der Buchhaltung und im Technischen Büro Computer. Damals mit den noch riesigen Disketten. Ich selber arbeitete das erste Mal an einem Computer - ohne Maus und mit selbstgestrickter Software - DOS-basiert. Allzu viel konnte man damit noch nicht anfangen. Nach einer Aufnahme der Arbeitsabläufe wurden dann erstmals alle Arbeitsplätze mit Computern ausgestattet und eine Individual-Software erstellt, die den Verkauf, die Fertigung und Arbeitsvorbereitung verknüpfen sollte - mit allerlei Schwierigkeiten und Anpassungsproblemen, bis es so einigermaßen funktionierte. Die Rechner selber mit Windows 3.1 und Works 2.0 als Arbeitssoftware...;-))
Inzwischen hatte ich mir meinen ersten eigenen Rechner angeschafft - einen Compaq Presario mit Windows 3.11 und Works als Grundsoftware. 560 MB Festplatte, 4 MB Arbeitsspeicher...;-(( Aber ich konnte mich in das Betriebssystem einarbeiten und verstand nun durch die erlernte Hintergrundtheorie schon ein bißchen mehr. Internet kam aber auch im Büro vorerst nicht in Sicht...
So etwa im Jahre 2000 bekam ich meinen neuen Rechner mit Windows 98 und auch mit Modem. Seitdem war ich AOL-Kunde und Mitglied bei Feierabend, wo ich meine ersten Kontakte übers Internet knüpfte. E-Mails ging einigermaßen, Internet oftmals noch sehr, sehr nervend... Aber ich begann, bei AOL meine erste Website zu basteln, bis dann irgendwann das Netz so langsam war, dass man kaum mehr Bilder und Dateien hochladen konnte. Es machte keinen Spaß mehr analog zu arbeiten...
2004 begann ich mit dem Unterrichten in unserem Senioren-Internetcafe. Erstmals arbeitete ich mit einem anständigen Internetanschluss und konnte auch an den ersten Online-Kursen teilnehmen - was mir unendlich wichtig schien. Ich war zu Hause angebunden und konnte nicht ständig irgendwo hinfahren. Dies schien mir die optimale Möglichkeit, meine Fähigkeiten weiterzuentwickeln.
2006 bekam ich dann endlich einen DSL-Anschluss über AOL und später auch meinen ersten XP-Rechner, froh - endlich die Abstürze von WIN 98 und ME und etliche Neuinstallationen nicht mehr nötig zu haben... Jetzt erst konnte ich das Internet wirklich effektiv nutzen - begann in einem Internetforum mitzuarbeiten und mich mit anderen auszutauschen. Nie hätte ich mir träumen lassen, all das zu tun, was ich heute tue und welche Möglichkeiten sich mir eröffnet haben, besonders durch die Anwendungsmöglichkeiten des Web 2.0 - bis zum heutigen Tage.
Der Erfinder des World Wide Web sagt am Ende des Videos - er träumt davon, dass die Möglichkeiten des Netzes und auch die Zusammenarbeit über die Grenzen der Länder hinaus - friedlich und effektiv - unsere Gesellschaften verändern werden wie noch in keinem Jahrtausend.
Ich denke, es ist so - aber der Weg dahin ist noch weit und beschwerlich, denn die unterschiedlichen Entwicklungsstände der Länder der Welt sind so schnell nicht zu überwinden. Die Entwicklungsländer werden quasi von der Steinzeit in die Zukunft gebeamt. Diese Klüfte lassen sich so schnell nicht überbrücken, auch wenn die Chancen der Bildung auch für diese Menschen steigen. Und auch die Begehrlichkeiten vieler werden geweckt. Immer wieder versuchen Banden von Verbrechern und Terroristen, aber auch politische Strömungen das Internet für ihre Zwecke zu verwenden. Es ist schwer, dem Einhalt zu gebieten, ohne das gesamte Netz einzuschränken.
Aber vielleicht ist es auch möglich, durch Austausch die moralischen Einstellungen wieder neu zu entdecken, damit das Internet die Entwicklung der einzelnen Länder befördert und nicht destabilisiert. Ein weiter Weg, denke ich - doch Menschen können großes Bewirken, wenn sie beharrlich und mit Überzeugung daran arbeiten - das zeigt der Lebensweg des Tim Berners-Lee. Er entwickelte gegen alle Widerstände weiter an seinem Projekt, bis dass es praktisch anwendbar war und die Welt revolutionierte.
Ich jedenfalls wünsche mir, dass möglichst viele Menschen - auch vor allem die älteren Menschen - von diesen Möglichkeiten profitieren, Grenzen zu überwinden und mit Gleichgesinnten in Kontakt zu treten, sich auszutauschen und ihre Lernfähigkeit zu erweitern. Wir haben ein solches Wissen im Netz angesammelt, warum sollte es der Allgemeinheit verschlossen bleiben?
Schon jetzt können wir in Echtzeit kommunizieren. Mag sein, dass dies manchen überfordert - aber allein, dass es langsam zur Selbstverständlichkeit wird und unsere Kinder damit aufwachsen, als sei es nie anders gewesen, läßt hoffen. Wer mehr weiß, kann auch mehr verstehen und vielleicht auch sein eigenes Leben zum Besseren wenden. Wie dies genau aussehen könnte, davon habe ich jetzt noch keine genaue Vorstellung, aber ich möchte es gerne noch miterleben...
Das jedenfalls wünsche ich mir
Anntheres