In den letzten 2 Tagen habe ich auch die Infos um das Educamp im Hamburg mitverfolgt - einige der Akteure kenne ich bereits durch Twitter. Ich war zwar nicht in einem Lehrberuf - hatte aber selber immer das Bedürfnis neues zu lernen - was sicherlich auch nicht in jedem Menschen steckt. Es lag vielleicht an meiner unzureichenden Schulbildung einer damaligen Volksschule, dass ich versucht habe weiteres Wissen zu erlangen - soweit es mir möglich war.
Meine Lehrer waren Bücher, das Fernsehen und seit etwa 10 Jahren auch das Internet...
Schulungen in Bildungseinrichtungen während meiner Berufszeit waren natürlich auch dabei, diese empfand ich aber sehr oft als unzureichend. Die Trainer waren selten wirklich gut und man ließ uns oft allein, ohne wirklich etwas zu erklären. Einige wenige Trainer brachten uns dazu selber weiterzulernen, so auch ein Dozent von der Uni, der uns sein Marketing-Skript in die Hand drückte, das gespickt war mit Fachausdrücken.Ich saß dann mit einem Lexikon davor und entschlüsselte diese - verstand aber danach entsprechende Fachliteratur wesentlich besser... Er wimmelte uns auch nicht ab, wenn wir Fragen hatten, sondern versuchte diese möglichst kompetent und verständlich zu erklären...
Bücher sind auch heute noch mein Begleiter, das Fernsehen heute viel weniger, weil ich schneller und effektiver mein Wissen im Internet vervollständigen kann. Was nicht heißt, dass ich in meinem Bereich nicht auch Kompendien und Lehrbücher besitze. Doch vieles, was ich darin im Speziellen nicht finde, versuche ich im Internet nachzuschlagen und werde sehr oft schnell fündig.
So geht es auch im Lehrbereich - und da ist Deutschland wohl noch unterentwickelt, denn die Österreicher bieten viel mehr freie Lehrmaterialien, wie ich schon von verschiedenen Seiten gehört und auch selber festgestellt habe. Es ist wohl immer noch so, dass viele im Lehrberuf Tätige nicht erkannt haben, dass sie selber auch weiterlernen müssen, um nicht von ihren Schülern irgendwann überholt zu werden.
Auf der anderen Seite lernen unsere Schüler in den Schulen oft nicht das, was sie wirklich für's Lernen brauchen... Das ist wohl auch der Grund, warum sich viele Studenten so schwer an den Universitäten zurechtfinden. Vor allem das Filtern und Auffinden von wichtigen Informationen und das Organisieren ihres
Studiums beschäftigt sie so sehr, dass anderes kaum noch Platz hat. Überfüllte Seminarsäle und Zeitdruck tun noch das Übrige, wie man so hört. Sie sind also in keiner Weise auf das vorbereitet, was von ihnen erwartet wird. Wo liegt hier der Fehler??? Beim Einzelnen - im System?
Im Ausland gibt es an den Unis auch Vorkurse - um das fehlende Wissen anzugleichen und die Voraussetzungen für ein gutes Studium zu schaffen... Warum nicht bei uns? Oder gibt es ähnliches an einigen Universitäten? Um eine gute wissenschaftliche Arbeit zu schreiben braucht man heute nicht nur Fachwissen, sondern auch gute Officekenntnisse, einen PC und entsprechendes Zusatzwissen. Natürlich auch Kontakte, Austausch und Zeit...
Als Außenstehender habe ich nicht den wirklichen Einblick in die Geschehnisse, kann mir nur aus Gehörtem und Gesehenem ein Puzzle zusammentragen. Wenn ich dann aber sehe, wie schwer Lehrer sich tun, sich die neue PC-Technik mit viel besseren Möglichkeiten anzueignen, immer vorschützen keine Zeit dazu zu haben - oder in Gymnasien der PC-Raum vor sich hinrottet, nicht genutzt wird, weil er nicht auf den mindesten neuesten Stand gebracht wird und die Schüler gar eigene Laptops zum Arbeiten mitbringen, dann schwant mir, dass bei uns doch sehr vieles im Argen liegt. Dass die Finanznot der Schulen auch ein Faktor ist, steht dabei außer Frage. Also bleibt am Ende doch nur neue Methoden auszuprobieren - vielleicht mit Wikis und anderen Lehrräumen zu experimentieren. Sie können verändert, ergänzt und freigeben werden, so dass jeder Schüler Zugriff hat und motiviert wird mitzuarbeiten. Die Kosten sind minimal... Aber es muss jemanden geben, der es tut... ausprobieren, experimentieren, zum Selbstlernen animieren...
Es gibt Schulen, die dies bereits tun, mit Wikis - offenen Moodleräumen - aber längst noch nicht alle.
Wo gibt es Experimente, die gute Ergebnisse zeigen? Werden diese weiterempfohlen?
Es bleiben viele Fragen offen...
Ich habe für mich gefunden, dass das Internet und die Menschen - mit denen es mich zusammen bringt - meine Lehrer sind und ich vielleicht in irgendeiner Weise auch der ihre... Natürlich kann manches einen überfordern, weil man noch nicht reif dafür ist - aber man entwickelt sich kontinuierlich fort, versteht mehr, will mehr wissen. Für Recherchen entwickelt man mit der Zeit einen Blick - trennt Wichtiges von Unwichtigem, so wie man es für sich selber braucht. Deshalb kann ich LisaRosa nur zustimmen, die glaubt, wir sind mitten drin in einem Prozess, der unsere Welt total umkrempelt. Aber wir müssen selber für uns den Weg hindurch finden, sehen was uns gut tut und was nicht - was brauchbar ist, was nicht. Und uns nicht von anderen sagen lassen, was gut und richtig ist. Die eigene Entscheidung befähigt die Entwicklung - das ist das Wichtige daran und vor allem unsere Chance uns neu zu erfinden!
Anntheres
Comments [2]